Wie misst man Gesundheitskompetenz?
Eine in Forschung und Praxis gängige Definition (nach Sørensen et al. 2012) beschreibt Gesundheitskompetenz als Zusammenspiel von Motivation, Wissen und Kompetenzen, die eine Person aufwendet, um Informationen, die für ihre Gesundheit relevant sind
- zu finden,
- zu verstehen,
- zu beurteilen
- und anzuwenden.
Dadurch befähigt Gesundheitskompetenz Menschen dazu,
- auch falsche oder widersprüchliche Informationen zu erkennen und entsprechend zu bewerten,
- Anlaufstellen im Gesundheitssystem so anzusteuern und zu nutzen, dass es sowohl die eigene Gesundheit fördert als auch effizient ist
- und aktiv an der eigenen Gesundheit mitzuwirken.
Gesundheitskompetenz messen
Gesundheitskompetenz lässt sich auf verschiedene Arten messen. Als valide Instrumente gelten die Fragebögen “Health Literacy Questionnaire” (HLQ) und HLS19-Q12. Sie kommen auch bei Studien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zum Einsatz.
Beide erheben die allgemeine Gesundheitskompetenz in Form von Selbstberichten der Befragten. Daneben gibt es aber ebenso Fragebögen, die wie Leistungstests funktionieren, und solche, die sich auf Teilbereiche der Gesundheitskompetenz beziehen, zum Beispiel Ernährung, Bewegung oder bestimmte Erkrankungen.
Bei der aktuellen Erhebung der Gesundheitskompetenz in Deutschland wurde der Kurzfragebogen HLS19-Q12 verwendet. Er besteht aus zwölf Fragen nach dem gleichen Schema: “Wie schwierig würden Sie sagen, ist es …” eine bestimmte Aufgabe zu erfüllen oder Entscheidung zu treffen, etwa:
- “…Informationen darüber zu verstehen, was in deinem medizinischen Notfall zu tun ist?”
- “…Entscheidungen zu treffen, die Ihre Gesundheit und Ihr Wohlbefinden verbessern?”
- “…den Empfehlungen Ihres Arztes oder eines Apothekers zu folgen?”
Die Befragten können auf einer vierstufigen Skala antworten: sehr einfach, eher einfach, eher schwierig, sehr schwierig.
Dadurch, dass der HLS19-Q12 vielfach erprobt und in viele Sprachen übersetzt ist, lassen sich damit valide und gut vergleichbare Daten erheben. Die Form des Selbstberichts wird von Forschenden einerseits als nützlich angesehen, weil sie sich auch darauf bezieht, wie die Befragten in ihrem Alltag handeln. Sie wird aber auch kritisiert, weil die individuelle Selbstwirksamkeit mit reinspielt.
Quellen
- Griebler, R., Link, T., Schütze, D. et al. (2025): Gesundheitskompetenz messen: Methoden und Instrumente zur Erfassung der allgemeinen Gesundheitskompetenz bei Erwachsenen. Bundesgesundheitsbl 68, 247–254 (2025). https://doi.org/10.1007/s00103-025-04010-y
- Kolpatzik, K., Bollweg, T., Fretian, A., Okan, O. (2025): Gesundheitskompetenz in Deutschland 2024. Ergebnisbericht. Technische Universität München. School of Medicine and Health. Department of Health and Sport Sciences. WHO Collaborating Center for Health Literacy. München. https://doi.org/10.14459/2025md1772956
- Sørensen, K., Van den Broucke, S., Fullam, J. et al. (2012): Health literacy and public health: A systematic review and integration of definitions and models. BMC Public Health 12, 80 (2012). https://doi.org/10.1186/1471-2458-12-80