Glossar

Um unserem Anspruch an Inklusivität gerecht zu werden, wollen wir in diesem Glossar sozialmedizinische Begriffe sammeln, die regelmäßig in unserem Newsletter auftauchen.

Haben wir etwas wichtiges vergessen oder sind Ihnen Fehler aufgefallen? Schreiben Sie uns.

Was ist das 1,5°C-Ziel?

Vertreter*innen von über 190 Nationen haben auf der UN-Klimakonferenz 2015 das sogenannte Pariser Abkommen beschlossen. In Artikel 2 ist eines der Hauptziele festgehalten: Der Anstieg der Erderwärmung durch den Treibhauseffekt soll unter 2 °C gegenüber dem vorindustriellen Niveau gehalten werden. Aber auch darüber hinaus sollen “Anstrengungen unternommen werden, um den Temperaturanstieg auf 1,5 °C über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen”. Dies würde Risiken und Auswirkungen der Klimaveränderungen erheblich verringern.

Auch das Bundesverfassungsgericht hat sich 2021 mit einem Urteil auf dieses völkerrechtliche Abkommen bezogen. Die Richter*innen haben festgestellt, dass bei einem ungehinderten fortschreiten des Klimawandels, drastische Eingriffe in die Freiheitsrechte notwendig würden. Aus dem ergebe sich die Pflicht, verantwortungsvoll mit dem verbleibenden CO2-Budget umzugehen.

Was heißt Armut eigentlich?

Es gibt nicht den einen Satz, mit dem Armut kurz, korrekt und präzise definiert werden kann, sondern Theorien und Betrachtungsweisen, die die Problematik unterschiedlich auffassen.

Ein enger Armutsbegriff beschreibt materielle Unterversorgung, also einen Zustand von Mangel und Defizit. Ganz eng gefasst kann beispielsweise die Einkommensarmut betrachtet werden, also wie ausgeprägt das Defizit gegenüber durchschnittlichen Einkommen ist.

Komplexe Begriffe von Armut werfen weitere Perspektiven auf: In welchen Lebenslagen sind Menschen sozial benachteiligt? Wie entstehen diese Lebenslagen? Armut wird als ein Prozess betrachtet, in den Menschen durch gesellschaftliche Umstände hineingeraten, aus dem sie aber auch wieder heraus gelangen können. Dadurch werden sowohl die Ressourcen von Menschen in den Fokus genommen als auch die Ausgrenzung (zum Beispiel aus Bildung oder Versorgungsstrukturen), die dazu führt, dass ein Mensch sich in einer defizitären Lebenslage befindet. In diesem komplexen Armutsverständnis werden deshalb auch Begriffe wie soziale Benachteiligung oder soziale Ausgrenzung verwendet.

Absolute Armut

Absolute Armut bezeichnet eine Lebenslage, in der ein Mensch seine Grundbedürfnisse nicht mehr decken kann. Mit dieser existenziellen Bedrohung widerspricht absolute Armut dem Grundrecht auf Leben. Die Weltbank hat die globale Armutsgrenze bei 1,90 US-Dollar pro Tag (umgerechnet in lokale Kaufkraft) festgelegt.

Laut Bericht der Weltbank ist der Anteil der von Armut betroffenen Menschen in den letzten Jahrzehnten stetig gesunken. Doch die Aussichten, dass das so weitergehen kann, seien schlecht: 2020 habe die globale Armutsbekämpfung einen Rückschlag erlitten und werde in Zukunft erschwert sein. Hauptgründe dafür seien die COVID-19-Pandemie, bewaffnete Konflikte und der Klimawandel.

Relative Armut

Relative Armut betrachtet unterschiedliche Abstufungen materieller Unterversorgung. In Deutschland wurde in den 1970er Jahren im Rahmen der Sozialindikatorenforschung erstmals ein differenziertes System eingesetzt. Die Forscher*innen haben Armut in drei Stufen unterteilt: Absolute Armut (Einkommen unterhalb der Sozialhilferegelsätze), strenge relative Armut (40 Prozent des durchschnittlichen Nettoeinkommens privater Haushalte), milde relative Armut (60 Prozent des durchschnittlichen Nettoeinkommens der privaten Haushalte).

Heute misst unter anderem das Statistische Bundesamt Armut in Deutschland. Auch dafür wird ein relativer Armutsbegriff herangezogen: die Armutsgefährdung. Sie besteht dann, wenn einem Haushalt weniger als 60 % des durchschnittlichen Nettoäquivalenzeinkommens zur Verfügung stehen.

Quellen:

  • Huster, E-U., Boeckh, J., Mogge-Grotjahn, H. 2018. Armut und soziale Ausgrenzung: Ein multidisziplinäres Forschungsfeld. In: Huster, E-U., Boeckh, J., Mogge-Grotjahn, H. (Hrsg.). 2018. Handbuch Armut und soziale Ausgrenzung. 3. Auflage. Wiesbaden. Springer Fachmedien.
  • Best, N., Boeckh, J., Huster, E-U. 2018. Armutsforschung: Entwicklungen, Ansätze und Erkenntnisgewinne. In: Huster, E-U., Boeckh, J., Mogge-Grotjahn, H. (Hrsg.). 2018. Handbuch Armut und soziale Ausgrenzung. 3. Auflage. Wiesbaden. Springer Fachmedien.
  • Übersicht des Statistischen Bundesamts zu Armutsgefährdungsschwelle und Armutsgefährdung (monetäre Armut) in Deutschland: https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Einkommen-Konsum-Lebensbedingungen/Lebensbedingungen-Armutsgefaehrdung/Tabellen/armutsschwelle-gefaehrdung-silc.html

Was sind CME-Punkte?

CME steht für “Continuing Medical Education”, also kontinuierliche medizinische Bildung. Ärzt*innen haben in Deutschland die Pflicht, sich neben ihrem Beruf fortlaufend weiterzubilden, um auf dem aktuellen medizinischen Stand zu sein. Damit gesichert ist, dass alle Ärzt*innen mitmachen, gibt es sogenannte CME-Punkte. Innerhalb von fünf Jahren müssen Ärzt*innen mindestens 250 dieser Fortbildungspunkte sammeln und gegenüber der Kassenärztlichen Vereinigung nachweisen. Kommen Ärzt*innen dem nicht nach, droht erst eine Honorarkürzung und schließlich der Verlust der Zulassung.

Quellen:

  • https://www.aerzteblatt.de/cme/ueber-cme [17.06.2021]
  • https://www.ärztliche-fortbildung.de/%C3%A4rzte-fortbildung.php [17.06.2021]

Was besagt der CO2-Fußabdruck?

Der CO2-Fußabdruck ist ebenso wie der ökologische Fußabdruck ein Nachhaltigkeitsindikator. Er gibt an, wie viel Kohlenstoffdioxid eine Person oder Population, ein Unternehmen oder eine bestimmte Tätigkeit ausstoßen.

Laut Umweltbundesamt beträgt der durchschnittliche CO2-Ausstoß einer Person in Deutschland momentan über elf Tonnen pro Jahr, sollte idealerweise aber bei unter einer Tonne liegen.

Wie groß Ihr CO2-Fußabdruck in etwa ist, können Sie zum Beispiel mit dem Rechner des Umweltbundesamtes oder dem 100-Punkte-Budget rausfinden.

Quellen:

  • https://uba.co2-rechner.de/de_DE/ [18.06.2021]
  • https://www.footprintnetwork.org/resources/glossary/#Ecologicalfootprint [18.06.2021]

Was ist COVID-19?

COVID-19 ist die von der WHO festgelegte Bezeichnung für die Krankheit, die durch das Virus SARS-CoV-2 hervorgerufen wird. Der Name ist eine Abkürzung von “Coronavirus Disease 2019”.

Was ist Corona bzw. Covid?

Corona und Covid sind umgangssprachliche Bezeichnungen für COVID-19, die Erkrankung, die durch SARS-CoV-2 verursacht wird.

Was ist das Dahlgren-Whitehead-Modell?

Abbildung eines Halbkreises mit verschiedenen Schichten. Den Kern bildet die Wortgruppe: Genom, Alter, Geschlecht. Darüber liegt die Schicht: individuelles Gesundheitsverhalten. Darüber liegt die Schicht: individuelle Lebenswelten und Milieus. Darüber liegt eine etwas breitere Schicht mit verschiedenen Elementen: Lebensmittelproduktion und -angebot; Umwelthygiene; Bildung; Lebens- und Arbeitsbedingungen; Arbeitslosigkeit und prekäre Beschäftigung; Gesundheitsversorgung; und Wohnbedingungen. Die äußere Schicht bildet die Worgruppe: Gesellschaftsordnung, Regierungsform, Machtverhältnisse, politische Gestaltung.

Das Dahlgren-Whitehead-Modell oder auch Modell der sozialen Determinanten veranschaulicht diverse Einflüsse auf die Gesundheit. Es wurde zu Beginn der 90er Jahre von Göran Dahlgren und Margarete Whitehead entwickelt. Das Modell veranschaulicht den Zusammenhang von Gesellschaftsordnung, Lebensbedingungen, Lebenswelten, individuellem Verhalten und biologischen Voraussetzungen mit der Gesundheit einer Person.

Kurz gesagt:
Die einzelne Person steht dabei im Zentrum, wo ihre Gesundheit von den biologischen Voraussetzungen (Genom, Geschlecht, Alter) geprägt ist. Das individuelle Gesundheitsverhalten (Rauchen, Sport, Ernährung, ...) erweitert die Einflusssphären auf die Gesundheit. Es steht in der Wechselwirkung zum sozialen Umfeld (Freunde, Nachbarschaft, Vereine, …), welches sich wiederum im Zusammenspiel mit den allgemeinen Lebensbedingungen (Bildung, Arbeit, Wohnen, Umwelt, …) befindet. Die Politik gestaltet maßgeblich die Lebensbedingungen und hat somit einen übergeordneten Einfluss auf die individuelle Gesundheit.

Was besagt der Deprivationsindex?

Der German Index of Socioeconomic Deprivation (GISD), oder umgangssprachlich Deprivationsindex, ist ein Werkzeug, um den sozioökonomischen Status von Menschen (beispielsweise auf Stadt- oder regionaler Ebene) abzubilden. So können Unterschiede aufgezeigt und mit anderen Daten in Beziehung gesetzt werden.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat den GISD entwickelt und beispielsweise auch eingesetzt, um sozioökonomische Ungleichheit im Infektionsrisiko mit SARS-CoV-2 zu ermitteln. In den Deprivationsindex fließen Indikatoren ein, die eng mit Bildung, Beruf und Einkommen zusammenhängen, beispielsweise der mittlere Bruttolohn, die Arbeitslosenquote und der Anteil von Beschäftigten mit (Fach-)Hochschulabschluss.

Aus all diesen Werten ergeben sich für die betrachteten Regionen Werte, die wiederum standardisiert und in fünf Gruppen eingeteilt werden. Diese Gruppen werden als Quintile bezeichnet und bilden jeweils zwanzig Prozent ab: niedrige Deprivation (das untere Fünftel), mittlere Deprivation (die mittleren 60 Prozent) und hohe Deprivation (das obere Fünftel des Index).

Der Deprivationsindex soll laut RKI regelmäßig generiert werden.

Quelle:
Kroll, L. E., Schumann, M., Hoebel, J., Lampert, T. (2017): Regionale Unterschiede in der Gesundheit – Entwicklung eines sozioökonomischen Deprivationsindex für Deutschland. Journal of Health Monitoring · 2017 2(2). doi: 10.17886/RKI-GBE-2017-035.2 (zuletzt abgerufen am 07.07.2021)

Was versteht man unter einer Determinanten in der Sozialmedizin?

In der Sozialmedizin beschreibt eine Determinante einen Einfluss auf Gesundheit bzw. Krankheit, z.B. Stress. Häufig ist in der Sozialmedizin die Rede von Sozialen Determinanten, also von Einflüssen, die sich aus sozialen Kontexten ergeben. Das geht insbesondere auf das Modell von Dahlgren und Whitehead zurück.

Was ist eine Epidemie?

Der Begriff Epidemie bezeichnet eine weite, allerdings geografisch begrenzte Verbreitung einer Infektionskrankheit. Breitet eine Epidemie sich global aus, wird dies als Pandemie bezeichnet.

Was bedeutet Exposition?

Exposition bedeutet in der Medizin, Umwelteinflüssen ausgesetzt zu sein. Eine Person, die beispielsweise ungeschützten Kontakt zu Menschen mit nachgewiesener SARS-CoV-2-Infektion hat, ist gegenüber dem Virus exponiert.

Was wird mit dem Gini-Koeffizient berechnet?

Der Gini-Koeffizient ist ein Maß für die Gleichheit, beziehungsweise Ungleichheit der Verteilung von Einkommen in einer Gesellschaft. Ist er 0, wäre das Pro-Kopf-Einkommen in einer Gesellschaft gleich verteilt, ist er 1, gehörte das gesamte Einkommen einer einzigen Person. In der Realität liegt der Gini-Koeffizient zwischen 0 und 1. Ein Wert zwischen 0,2 und 0,35 spricht für eine relativ gleiche Verteilung, einer zwischen 0,5 und 0,7 für Ungleichheit.

Wie berechnet man den Gini-Koeffizienten?

Die Berechnung des Gini-Koeffizienten lässt sich am besten in einem Koordinatensystem darstellen. Auf der X-Achse ist der kumulative, also aufaddierte, Anteil der Bevölkerung abgebildet, von 0 bis 100 Prozent. Die Y-Achse zeigt den kumulativen Anteil am Haushaltseinkommen in Prozent, also ebenfalls von Null bis einhundert.

Die 45-Grad-Linie verbindet all die Punkte, an denen absolute Gleichheit herrscht, also beispielsweise 50 Prozent der Bevölkerung auch 50 Prozent des Einkommens besitzen.

Die Linie der totalen Ungleichheit dagegen bewegt sich entlang der X-Achse und schießt an ihrem Ende senkrecht in die Höhe. Sie stellt grafisch dar, dass 100 Prozent des Einkommens nur einer einzigen Person zufallen.

Innerhalb des Dreiecks, das aus diesen hypothetischen Linien entsteht, liegt die sogenannte Lorenz-Kurve. Sie verbindet all die Punkte, die real das Verhältnis von Bevölkerungsanteil und Einkommensanteil abbilden. Hier im Bild zeigt beispielsweise Punkt A, dass 20 Prozent der Bevölkerung 5 Prozent des Einkommens besitzen, und Punkt B, dass sich 60 Prozent des Einkommens auf 90 Prozent der Bevölkerung verteilen.

Man sieht schon: Je stärker die Lorenz-Kurve von der Linie der absoluten Gleichheit abweicht, desto ungleicher ist das Einkommen verteilt. Der Gini-Koeffizient ist der Anteil der Fläche zwischen Kurve und Linie am gesamten Dreieck. Je näher die Lorenz-Kurve an der Linie der absoluten Gleichheit ist, desto kleiner die Fläche und desto kleiner ist auch der Gini-Koeffizient.

Was hat der Gini-Koeffizient mit Gesundheit zu tun?

Die Hypothese der Einkommensungleichheit (income inequality hypothesis) besagt, dass eine ungerechte Verteilung von Einkommen in einer Gesellschaft Auswirkungen auf die Gesundheit aller hat. Ein Forscher*innenteam der TU Darmstadt um den Gesundheitsökonom Martin Karlsson hat die Hypothese 2010 in einer internationalen Studie überprüft.

Die theoretischen Überlegungen dahinter:

  • Höhere Ungleichheit innerhalb der Bevölkerung führt zu geringerem sozialen Kapital und damit zu größerem Misstrauen und weniger sozialer Interaktion, die wiederum zu geringerer Gesundheit führen.
  • Der sozialer Zusammenhalt ist geringer, dadurch entstehen höhere Kriminalitäts- und Unfallraten.
  • Ungleiche Gesellschaften sind häufig auch polarisierter, weshalb es weniger gemeinsame Ressourcen und weniger öffentliche Gesundheitsversorgung gibt.

Die Forscher*innen haben festgestellt, dass vor allem in Ländern mit hohem Einkommen die Wahrscheinlichkeit steigt, dass Menschen ihre Gesundheit als gut bewerten, je kleiner der Gini-Koeffizient ist. Andererseits bedeutet ein hoher Gini-Koeffizient eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass die Menschen ihre Gesundheit negativ einschätzen.

Warum sprechen wir dennoch nicht von Kausalität?

Karlsson und seine Kolleg*innen sind nicht die einzigen, die Zusammenhänge zwischen dem Gini-Koeffizienten und der Gesundheit festgestellt haben. Allerdings gibt es auch Studien, die diesen Beleg nicht liefern oder sogar gegensätzliche Ergebnisse zeigen.

Auch John Wildman, der 2021 eine Studie veröffentlicht hat, in der er einen signifikanten Zusammenhang zwischen dem Gini-Koeffizienten und Fall- und Sterberaten während der ersten Welle der Corona-Pandemie in OECD-Staaten festgestellt hat, sagt, dass man nicht von einem Ursache-Wirkungs-Verhältnis sprechen kann.

Um eine klare Aussage zu treffen, fehle es an empirischer Evidenz. Außerdem, so die Forschenden, sind eine Reihe unklarer Variablen zwischen dem Gini-Koeffizienten und der Gesundheit, beispielsweise wie gut die öffentliche Gesundheitsversorgung ist.

Hinzu kommt, dass der Gini-Koeffizient an sich kein perfektes Messinstrument ist. Schließlich werden nur die Daten eingerechnet, die auch vorliegen. Menschen und Lebensverhältnisse, die nicht erhoben werden, beispielsweise Obdachlose oder Personen, die keiner regulären Arbeit nachgehen, sind nicht Teil der Statistik. Zudem sagt das Maß nichts über die Höhe des Einkommens aus. Ein niedriger Gini-Koeffizient bedeutet keine rosigen Verhältnisse, wenn die gleich verteilten Ressourcen nicht ausreichen.

Quellen:

Was ist eine Intervention in der Medizin?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert Gesundheitsinterventionen als “Handlungen, die für, mit oder im Interesse einer Person oder Bevölkerung durchgeführt werden, mit dem Zweck, Gesundheit, Funktionsfähigkeit oder Lebensbedingungen einzuschätzen, zu verbessern, zu erhalten, zu fördern oder zu verändern.”

Interventionen bezeichnen also sämtliche Maßnahmen, die bewusst durchgeführt werden, um die Gesundheit einzelner Menschen oder von Menschengruppen zu beeinflussen.

Was gibt die Inzidenz an?

Die Inzidenz, oder auch Inzidenzrate, gibt die Anzahl neu auftretender Fälle einer Erkrankung oder eines Symptoms in einem festgelegten Zeitraum und innerhalb einer bestimmten Population an. COVID-19-Fallzahlen werden beispielsweise häufig mit der 7-Tage-Inzidenz gemeldet: Neue Fälle, die innerhalb der letzten 7 Tage an einem bestimmten Ort oder in einer bestimmten Region aufgetreten sind.

Der Begriff ist nicht gleichzusetzen mit der Prävalenz, die die bestehenden Fälle, nicht die neu auftretenden zählt.

Quellen:
https://toolbox.eupati.eu/glossary/inzidenz/ (zuletzt abgerufen: 06.07.2021)

Warum Isolation?

Isolation ist, ähnlich wie die Quarantäne, eine Maßnahme zum Schutz vor der Ausbreitung von Infektionskrankheiten. Die Begriffe sind jedoch nicht gleichzusetzen. Isolation bedeutet “die Absonderung von kranken oder nachweisbar infizierten Personen” (Kleist et al., 2020, S. 4), damit diese keine anderen anstecken.

Quarantäne beschreibt dagegen die Absonderung von Personen, die mit Infizierten in Kontakt gewesen sind.

Quelle:
Kleist, M., Ruehe, B., Oh, D. Y., Nitsche, A., Haas, W., Stoliaroff-Pépin, A., Eckmanns, T., Abu Sin, M., van der Toorn, W., Jenny, M., Mielke, M., Herzog, C., Wieler, L.H.: Abwägung der Dauer von Quarantäne und Isolierung bei COVID-19. Epid Bull 2020;39:3–11. doi: 10.25646/7140 (zuletzt abgerufen: 06.07.2021)

Was ist eine Kausalität?

Eine Kausalität ist ein Ursache-Wirkungs-Zusammenhang. Im Vergleich zur Korrelation kann man nicht nur von einem grundsätzlichen Zusammenhang zwischen zwei Variablen sprechen, sondern tatsächlich davon, dass die eine die andere ursächlich bedingt.

Eine sehenswerte Erklärung hat Mai Thi Nguyen-Kim 2018 auf ihrem YouTube-Kanal mailab veröffentlicht.

Was versteht man unter dem Kausationseffekt?

Der Kausationseffekt oder auch Kausalitätseffekt bezeichnet in der Sozialmedizin das erhöhte Krankheitsrisiko bei sozial benachteiligten Menschen. In einer Übersichtsarbeit, die Britta Herbig, Nico Dragano und Peter Angerer 2013 im Ärzteblatt veröffentlichten, ist dieser Effekt bei Langzeitarbeitslosen dargestellt. Aber auch “Kinder und Jugendliche, die unter sozial benachteiligten Lebensumständen aufwachsen, weisen in zahlreichen Bereichen schlechter Gesundheitschancen auf”, stellt ein Gesundheitsbericht des Robert Koch Instituts 2010 anhand von Daten des Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS) dar.

Was versteht man unter der Klimakonferenz?

Klimakonferenz oder auch (Welts-)Klimagipfel ist der deutschsprachige Begriff für die jährliche Climate Change Conference der Vereinten Nationen (UN). An wechselnden Orten verhandeln Vertreter*innen der Mitgliedsstaaten und zivilgesellschaftliche Organisationen Themen rund um Klimawandel und Klimaschutz. Sie ist außerdem Treffpunkt der Mitglieder des Kyoto-Protokolls von 2005 und des Pariser Abkommens von 2015.

Quellen:

  • https://unfccc.int/process-and-meetings/conferences/the-big-picture/what-are-united-nations-climate-change-conferences [18.06.2021]

Was versteht man unter konstruktiven Journalismus?

Konstruktiver Journalismus arbeitet nach den grundsätzlichen Qualitätskriterien des Journalismus, wendet dabei aber Techniken der positiven Psychologie an. Das bedeutet, dass ressourcenorientiert- und lösungsorientiert berichtet wird, Menschen in ihrer Handlungsfähigkeit bestärkt und nach dem Lesen eines Beitrags nicht ratlos zurückgelassen werden sollen (vgl. Gyldensted, McIntyre, 2017). Konstruktiver Journalismus ist nicht gleichzusetzen mit Positivem Journalismus. Es geht nicht darum, vorrangig Gutes zu berichten. Stattdessen baut die journalistische Arbeit auf drei Säulen auf: Lösungsorientierung, das Berichten über unterschiedliche Nuancen eines Sachverhalts und unterschiedlicher Perspektiven darauf sowie das Anregen demokratischen Diskurses.

Das Constructive Institute an der Universität im dänischen Aarhus, an dem dieses Säulenmodell entwickelt wurde, gehört zu den weltweiten Vorreitern des Konstruktiven Journalismus. Dort können Sie mehr über diese Art der Berichterstattung erfahren.

Bei Upstream haben wir uns für diese Arbeitsweise entschieden, weil wir denken, dass Sozialmedizin und soziale Ungleichheit Themenfelder sind, die alle Menschen betreffen. In unserer Arbeit begegnen uns häufig entmutigende Studien, Beobachtungen und Zusammenhänge. Ebenso sehen wir Akteur:innen, die Missständen entgegenwirken. Als Journalist:innen haben wir den Anspruch, beide Perspektiven auf Probleme zu betrachten.

Was versteht man unter Kontextfaktoren?

Kontextfaktoren sind Einflussfaktoren auf die Gesundheit einer Person. Der Begriff basiert auf dem Modell der Internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF) der WHO. Ausgangspunkt dieses Modells ist die ressourcenorientierte Annahme von “Komponenten der Gesundheit”, zu denen neben Körperfunktionen- und Strukturen, Aktivitäten und Teilhabe auch die Kontextfaktoren gehören. Diese Einflussfaktoren des Kontexts können umwelt- oder personenbezogen sein und sich positiv oder negativ auswirken.

Als personenbezogene Faktoren bezeichnet man Kontextfaktoren, die sich auf die Person selbst beziehen: Was ist ihr persönlicher und familiärer Hintergrund? Wie lebt sie?

Umweltfaktoren sind dagegen Einflüsse aus der Umwelt der betrachteten Person, beispielsweise ihre materiellen Verhältnisse und ihr soziales Umfeld.

Quellen:

  • https://www.bar-frankfurt.de/fileadmin/dateiliste/_publikationen/reha_grundlagen/pdfs/AHKontext2020.RZBF2neu.pdf [17.06.2021]
  • https://www.bar-frankfurt.de/fileadmin/dateiliste/_publikationen/reha_grundlagen/pdfs/AHKontext2020.RZBF2neu.pdf [17.06.2021]
  • https://www.rehainfo-aerzte.de/de/Navigation/40_Reha_1x1/01_Medizinische_Reha/06_ICF_statt_ICD/icf_statt_icd_node.html [17.06.2021]

Was ist das Kooperationsverbot in der Medizin?

Die deutsche Sozialgesetzgebung garantiert gesetzlich versicherten Patient*innen grundsätzlich die freie Wahl von Ärzt*innen. Auch wenn Ärzt*innen sie beispielsweise an eine ganz konkrete Facharztpraxis verweisen, haben die Behandelten die Möglichkeit, sich frei für eine andere zu entscheiden.

Wie Ärzt*innen miteinander kooperieren dürfen, ist durch die Berufsordnung geregelt, die die Bundesärztekammer und die Ärztekammern der Länder festlegen. Grundsätzlich ist es Ärzt*innen in Deutschland erlaubt, zu kooperieren. Die Regeln dafür sind jedoch streng. Das soll “Unerlaubte Zuweisung” verhindern, also dass Ärzt*innen sich gegenseitig Vorteile dadurch verschaffen, dass sie einander beispielsweise Patient*innen hin und her überweisen oder in gemeinsame Kassen wirtschaften.

Auf der anderen Seite erschwert diese Regelung es Ärzt*innen jedoch auch, Patient*innen gemeinschaftlich und interdisziplinär zu behandeln. Was das für den Aufbau eines Gesundheitszentrums bedeutet, erklärt die Ärztin Patricia Hänel am Ende des Interviews in Upstream-Ausgabe 5.

Was versteht man unter Korrelation?

Besteht ein Zusammenhang zwischen Stress und Straßenlärm? Wenn ja, wie stark ist er? Und in welche Richtung besteht ein Zusammenhang?

Stress und Lärm stehen hier beispielhaft für zwei Variablen, zwischen denen ein statistischer Zusammenhang untersucht werden soll. Diesen Zusammenhang bezeichnet man als Korrelation. Ist bei steigendem Lärm- auch ein steigender Stresspegel zu beobachten, ist es eine positive Korrelation. Von negativer Korrelation würde man dagegen sprechen, wenn bei ansteigendem Lärm ein sinkendes Stresslevel vorliegt.

Achtung: Korrelation bedeutet erstmal nur einen Zusammenhang, noch keine Ursache-Wirkung-Beziehung, also keine Kausalität.

Joy Bredehorst und Susanne Kappes haben im Rahmen ihres Masterstudiums in Psychologie an der Universität Mannheim ein anschauliches Video darüber produziert, was Korrelation bedeutet und wie man sie berechnen kann.

Was steckt hinter der Kritischen Sozialepidemiologie?

Die Kritische Sozialepidemiologie ist ein Forschungsansatz, der ursprünglich aus Lateinamerika stammt. Sie betrachtet Gesundheit und das Entstehen von Krankheiten vor allem mit qualitativen und ethnografischen Methoden und mit einem schärferen Blick auf soziale Determinanten als beispielsweise biologisch geprägte Ansätze der Medizin.

Mehr über die Kritische Sozialepidemiologie erfahren Sie im Interview mit Lisa Kamphaus und Richard Bůžek von der AG Kritische Stadtgeographie an der Universität Münster.

Was ist Long COVID?

Als Long COVID oder Post-COVID-Syndrom werden die Langzeitfolgen einer COVID-19-Erkrankung bezeichnet. Wissenschaftler*innen haben Anfang 2021 in einem Paper der WHO/Europa beschrieben, dass etwa zehn Prozent der COVID-19-Patient*innen auch mehr als zwölf Wochen nach der Erkrankung nicht wieder vollständig genesen sind. Die Symptome sind dabei beispielsweise Schmerzen in Brust und Muskeln, Müdigkeit, Kurzatmigkeit oder kognitive Störungen. Die Betroffenen sind dadurch häufig stark in ihrem Alltag, Sozial- und Berufsleben eingeschränkt. Unterstützung finden sie unter anderem bei der Initiative Long COVID Deutschland.

Was ist Mortalität?

Der Begriff Mortalität bezeichnet die Sterberate, also die Anzahl der Verstorbenen innerhalb eines bestimmten Zeitraums im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung. Die Mortalität kann also beispielsweise für einen Ort, eine Region oder ein Land innerhalb eines festgelegten Zeitraums berechnet werden. Im Glossar des Robert-Koch-Instituts wird die Mortalität auch verallgemeinert als “Inzidenz des Sterbens” bezeichnet.

Was ist der National Health Service?

Der National Health Service, kurz NHS, ist der staatlich organisierte und finanzierte Gesundheitsdienst in Großbritannien und Nordirland. England, Schottland, Wales und Nordirland haben jeweils einen eigenen National Health Service.

Was ist die Nationale Armutskonferenz?

Die Nationale Armutskonferenz (nak) ist ein Bündnis von Organisationen, Gewerkschaften, Verbänden und Initiativen in Deutschland, die sich politisch für Armutsbekämpfung engagieren. Sie wurde 1991 als Teil des Europäischen Armutsnetzwerks (EAPN) gegründet. Aktiv in der Nationalen Armutskonferenz sind aktuell:

Darüber hinaus sind immer wieder Gastmitglieder in der Nationalen Armutskonferenz vertreten.

Was ist ein Nettoäquivalenz­einkommen?

Wie viel Einkommen hat ein Mensch zur Verfügung? Um das zu ermitteln, könnte einfach der Durchschnitt aller Nettoeinkommen berechnet werden. Allerdings bedeuten unterschiedliche Lebenssituationen auch unterschiedliche Bedarfe. Eine alleinerziehende Person mit zwei Kindern befindet sich beispielsweise in einer ganz anderen Situation als ein zusammenlebendes Paar.

Im Nettoäquivalenzeinkommen sind diese Unterschiede berücksichtigt. Um es zu berechnen, werden nicht einzelne Personen betrachtet, sondern Haushalte. Menschen, die im Haushalt leben, fließen nach der OECD-Skala gewichtet in die Berechnung ein. Die Person, die das Haupteinkommen bezieht, wird mit Faktor 1 berechnet. In einem Singlehaushalt käme hier also das Pro-Kopf-Einkommen raus. Eine zweite erwachsene Person im Haushalt verursacht nicht die gleichen Kosten. Schließlich können sich beide die Waschmaschine oder den Internetanschluss teilen. Weitere erwachsene Personen werden deshalb nur mit dem Faktor 0,5 eingerechnet. Kinder unter 14 Jahren werden mit einem Faktor von 0,3 gewichtet.

Quellen:

Was ist die Ottawa-Charta?

Die Ottawa-Charta wurde 1986 auf der ersten Internationalen Konferenz zur Gesundheitsförderung der Weltgesundheitsorganisation verabschiedet. Das Ziel: “Gesundheit für alle”. In der Charta sind verschiedene Strategien und Handlungsaufrufe festgeschrieben, um die Gesundheit von Menschen zu fördern.

Die deutschsprachige Fassung der Ottawa-Charta ist lediglich sechs Seiten lang, denn sie bezieht sich nicht auf Detailfragen, sondern fasst Grundsätze zusammen: Weltweit müssen gerechte Voraussetzungen für Gesundheit geschaffen werden, die gesamte Politik muss Gesundheitsförderung im Blick haben und Menschen sollen befähigt werden, selbstbestimmt gesundheitsfördernd zu handeln.

Ursprünglich nur bis zum Jahr 2000 konzipiert, ist die Ottawa-Charta auch heute noch ein Grundsatzdokument der WHO.

Was ist eine Pandemie?

Der Begriff Pandemie bezeichnet die weltweite Verbreitung einer Infektionskrankheit. Sie ist also weiter verbreitet als die Epidemie, bei der die Reichweite der Krankheit geografisch begrenzt ist.

Wofür steht People of Color?

Als People of Color, kurz PoC, ist eine Selbstbezeichnung nicht-Weißer und nicht-Schwarzer Menschen mit Rassismuserfahrung. Dabei geht es nicht um die Hautfarbe, sondern um das Herausstellen von Machtstrukturen und Rassismus. Für eine umfassendere Definition und weiterführende Links empfehlen wir die Erklärung der Neuen deutschen Medienmacher*innen.

Was ist eine planetare Diät?

Die Planetare Diät, beziehungsweise Planetary Health Diet, ist ein Ernährungsplan, der sowohl an der Gesundheit des Menschen als auch am Schutz des Planeten orientiert ist. Er wurde 2019 durch die EAT-Lancet-Kommission veröffentlicht. Grundlage ist der Anspruch, wissenschaftlich zu belegen, dass und wie es möglich ist, bis zum Jahr 2050 etwa 10 Milliarden Menschen gut zu ernähren, ohne die Ressourcen der Erde auszubeuten und die Natur zu zerstören.

Bei der Planetaren Diät kommen vielfältige Nahrungsmittel auf den Teller. Auch Fleisch, Fisch und zugesetzter Zucker werden nicht völlig gestrichen. Allerdings sind sie nur in so moderaten Mengen vorgesehen, dass es für den Durchschnitt der Deutschen trotzdem Verzicht bedeuten würde. Der durchschnittliche Fleischverzehr pro Person müsste beispielsweise etwa halbiert werden.

Quellen:

  • https://www.bzfe.de/nachhaltiger-konsum/lagern-kochen-essen-teilen/planetary-health-diet/ [17.06.2021]
  • https://de.statista.com/statistik/daten/studie/36573/umfrage/pro-kopf-verbrauch-von-fleisch-in-deutschland-seit-2000/ [17.06.2021]

Was versteht man unter planetarer Gesundheit?

Planetary Health, planetare Gesundheit, ist ein multidisziplinäres und umfassendes Gesundheitskonzept. Ausgangspunkt ist die Ansicht, dass die menschliche Gesundheit in Zusammenhang mit sämtlichen Systemen des Planeten steht. Dies schließt sowohl Ökosysteme als auch menschengemachte soziale, politische oder wirtschaftliche Systeme ein.

Eine weitere Grundannahme des Planetary Health Konzepts ist, dass ein massiver Transformationsprozess notwendig ist, um die “Gesundheit” all der Systeme herzustellen und aufrecht zu erhalten, die für die optimale Gesundheit und Versorgung aller Menschen auf dem Planeten notwendig ist.

Quellen:

  • https://www.aerzteblatt.de/archiv/201358/Planetary-Health-Ein-umfassendes-Gesundheitskonzept [18.06.2021]
  • Horton, R., Beaglehole, R., Bonita, R., Raeburn, J., McKee, M., Wall, S. (2014): From public to planetary health: a manifesto. In: The Lancet. Vol. 383. S. 847. https://doi.org/10.1016/S0140-6736(14)60409-8

Was versteht man unter Prävalenz?

Prävalenz ist der Fachbegriff für die Häufigkeit einer bestimmten Krankheit oder eines Krankheitssymptoms. Um Aufschluss über das Risiko und die Relevanz der Krankheit oder des Symptoms zu geben, wird die Prävalenz in Bezug zur Zeit und zur Bevölkerungsgruppe angegeben.

Punktprävalenz bezeichnet die Fallzahl zu einem bestimmten Zeitpunkt, beispielsweise, wie viele Menschen heute erkältet sind.

Periodenprävalenz ist die Fallzahl in einem bestimmten Zeitraum, also zum Beispiel, wie viele Menschen im letzten Monat erkältet gewesen sind.

Lebenszeitprävalenz bezieht sich auf die gesamte Lebenszeit von Menschen und sagt aus, wie viele Menschen mindestens einmal in ihrem Leben (bis zum Zeitpunkt der Befragung) an einer Erkältung gelitten haben.

Die Prävalenz in Bezug zur Bevölkerungsgruppe zu setzen kann beispielsweise bedeuten, nicht die absolute Fallzahl, sondern die Fälle pro 1000 Einwohner*innen eines Ortes zu betrachten. Der Unterschied zur Inzidenz ist, dass Prävalenz bestehende Fälle angibt, während die Inzidenz nur neu auftretende zählt.

Quelle:
https://toolbox.eupati.eu/resources/epidemiologische-konzepte-inzidenz-und-praevalenz/?lang=de [18.05.2021]

Was ist eine Quarantäne?

Quarantäne ist, ähnlich wie die Isolation, eine Maßnahme zum Schutz vor der Ausbreitung vor Infektionskrankheiten. Die Begriffe sind jedoch nicht gleichzusetzen. Quarantäne bedeutet “die zeitweilige Absonderung symptomfreier Personen, bei denen eine Ansteckung wahrscheinlich ist, da sie in Kontakt mit einer ansteckenden Person(en) waren” (Kleist et al., 2020, S. 3). So sollen Anzeichen einer Infektion genau überwacht und verhindert werden, dass die Personen andere anstecken.

Ist eine Person tatsächlich infiziert, wird sie dagegen von anderen isoliert, um weitere Infektionen zu verhindern.

Quelle:
Kleist, M., Ruehe, B., Oh, D. Y., Nitsche, A., Haas, W., Stoliaroff-Pépin, A., Eckmanns, T., Abu Sin, M., van der Toorn, W., Jenny, M., Mielke, M., Herzog, C., Wieler, L.H.: Abwägung der Dauer von Quarantäne und Isolierung bei COVID-19. Epid Bull 2020;39:3–11. doi: 10.25646/7140 (zuletzt abgerufen: 06.07.2021)

Was meint Recht auf Stadt?

Recht auf Stadt ist vielerorts ein Slogan, der für die Forderung nach bezahlbarem Wohnraum und gesellschaftlicher Teilhabe steht. Politische Initiativen setzen ihn vor allem in Städten Gentrifizierungs- und Verdrängungsprozessen entgegen. Das Konzept, dessen Ursprung Henri Lefebvre 1968 mit dem Buch Le droite à la ville verfasst hat, umfasst mehr als die Kämpfe von Mieter*innen. Lefebvre beschreibt Urbanität als die Möglichkeit der Bürger*innen, zusammenzukommen, einander zu begegnen und aktiv an ihrer Umwelt teilzuhaben. Dafür brauche es nicht zwangsweise eine Großstadt, sondern vielmehr einen Raum, in dem diese gesellschaftlichen Verhältnisse herrschen. Recht auf Stadt bedeutet dabei nicht, sich lediglich an einem Ort aufhalten zu dürfen, “sondern das Recht, am Leben in seinem innersten teilzuhaben”.

Quelle: Mayer, M. (2014): Soziale Bewegungen in Städten – städtische soziale Bewegungen. In: Gestring, N. et al. (Hrsg., 2014): Stadt und soziale Bewegungen. Stadt, Raum und Gesellschaft. Wiesbaden. Springer Fachmedien. doi 10.1007/978-3-658-01398-1_2

Was bedeutet Resilienz?

Resilienz ist ein Schutzfaktor, der die psychische Gesundheit von Menschen betrifft und der die Auswirkungen von Risikofaktoren und belastenden Situationen abfedert. Diese “psychische Widerstandsfähigkeit” (Bengel, Lyssenko, 2016) ist keine statische Persönlichkeitseigenschaft, die jemand hat oder nicht, sondern eine Ressource, die auch in Abhängigkeit von Kontextfaktoren variieren kann.

Quellen:
Bengel, J., Lyssenko, L. (2016): Resilienz und Schutzfaktoren. BZgA, Köln. https://leitbegriffe.bzga.de/systematisches-verzeichnis/allgemeine-grundbegriffe/resilienz-und-schutzfaktoren/ (zuletzt abgerufen am: 07.07.2021)
Thun-Hohenstein, L., Lampert, K. & Altendorfer-Kling, U. (2020): Resilienz – Geschichte, Modelle und Anwendung. Z Psychodrama Soziom 19, 7–20 (2020). https://doi.org/10.1007/s11620-020-00524-6 (zuletzt abgerufen am: 07.07.2021)

Was ist ein Risikofaktor?

Ein Risikofaktor, oder auch Risikomerkmal, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass eine Person erkrankt oder eine Erkrankung besonders stark auftritt. Bei einem Risikofaktor kann es sich um bestimmte Merkmale einer Person (zum Beispiel das Geschlecht, Alter oder eine Vorerkrankung), um Verhaltensweisen (zum Beispiel Rauchen oder ungesunde Ernährung) oder um Kontextfaktoren (wie die Lebensumstände oder Exposition gegenüber einem Umwelteinfluss) handeln.

Das Vorliegen von Risikofaktoren bedeutet allerdings nicht automatisch, dass eine Erkrankung auftritt oder schwer verläuft.

Was ist SARS-CoV-2?

SARS-CoV-2 ist der von der WHO festgelegte Name des Virus, das die Krankheit COVID-19 verursacht. Er steht für “severe acute respiratory syndrome coronavirus 2”. Der Name wurde ausgewählt, weil das Virus genetische Ähnlichkeit mit dem Coronavirus hat, das 2003 zu Ausbrüchen der Infektionskrankheit SARS geführt hat.

Was ist ein Schutzfaktor?

Schutzfaktoren sind Merkmale, Verhaltensweise und Kontextfaktoren einer Person, die eine schützende und stärkende Wirkung auf deren Gesundheit haben. Ein Schutzfaktor ist dabei mehr als nur die Abwesenheit eines Risikofaktors, sondern vielmehr ein Puffer, der die negativen Auswirkungen eines Risikofaktors abschwächt. In Bezug auf die psychische Gesundheit wird häufig Resilienz als Schutzfaktor genannt.

Was ist der Selektionseffekt?

Der Selektionseffekt bezeichnet in der Sozialmedizin die soziale Selektion kranker Menschen. Das bedeutet, dass erwachsene chronisch kranke Menschen ein erhöhtes Risiko haben, von Armut betroffen zu sein. Empirisch nachgewiesen wurde dieser Effekt beispielsweise in der Dissertation Armutslebensläufe und schlechte Gesundheit an der Universität Marburg.

Was ist eine Syndemie?

Das Konzept der Syndemie wurde ab den 1990er Jahren durch den Medizinanthropologen Merrill Singer geprägt. Laut Merrill müssen drei Kriterien erfüllt sein, um von einer Syndemie sprechen zu können:

  1. Zwei oder mehr Krankheiten oder Gesundheitsprobleme treten innerhalb einer Bevölkerung oder Bevölkerungsgruppe auf.
  2. Innerhalb sozialer oder anderer Kontextfaktoren entstehen Bedingungen, in denen diese Krankheiten sich häufen.
  3. Dieses Zusammenspiel von Erkrankungen und sozialen Determinanten hat negative Auswirkungen auf die Gesundheit der betroffenen Menschen.

Quelle:
Singer, M., Bulled, N., Ostrach, B., & Mendenhall, E. (2017): Syndemics and the biosocial conception of health. The Lancet, 389(10072), 941–950. S. 942. doi:10.1016/s0140-6736(17)30003-x (zuletzt abgerufen am: 06.07.2021)

Was bedeutet Upstream in der Sozialmedizin?

Upstream ist ein Begriff der Sozialmedizin und beschreibt eine Blickrichtung auf die Kausalkette der Entstehung von Krankheit und möglichen Interventionen. Am unteren Ende der Kette von Gründen, warum eine Person krank ist, stehen die bio- und psychologischen Gegebenheiten, die beispielsweise mit Medikamenten, einer Operation oder Psychotherapie behandelt werden. Sie befinden sich in der Blickrichtung flussabwärts: downstream. Am oberen Ende der Kausalkette steht eine gesellschaftliche Ordnung (beispielsweise durch bestimmte Machtverhältnisse oder oder politische Gestaltungen). Sie befindet sich in der Blickrichtung flussaufwärts: upstream. Der Begriff Upstream beschreibt also Interventionen, die tendenziell am oberen Ende der Kausalkette durchgeführt werden, beispielsweise ein gesellschaftlicher Transformationsprozess.

Häufig wird sich zur besseren Vorstellung des Bildes eines Flusses bedient. Die Metapher haben wir ausführlich in der ersten Ausgabe des Upstream-Newsletters erläutert.

Der Begriff Upstream ist namensgebend für den Sozialmedizin-Newsletter Upstream, da die Autor:innen des Newsletters der Meinung sind, dass eine weite Perspektive auf die Themen Gesundheit und Medizin im gesellschaftlichen Diskurs entscheidend, aber noch kaum sichtbar ist.

Verhältnisprävention, was ist das?

Verhältnisprävention soll das Auftreten, Ausbrechen oder Fortschreiten von Erkrankungen verhindern, beziehungsweise Komplikationen und Symptome abmildern und setzt dabei an den Umständen an, in denen eine Person ihr Leben verbringt. Verhältnisse, in denen eine Person beispielsweise wohnt oder arbeitet, sollen also möglichst gesundheitsförderlich gestaltet werden. Das kann praktisch bedeuten, aus einer unsanierten, schimmeligen Wohnung aus- und in eine neue, saubere einzuziehen, oder einen Arbeitsort, der eine ungesunde Körperhaltung hervorruft, umzugestalten. Solche Präventionsmaßnahmen in den Lebensverhältnissen können wiederum Auswirkungen auf das individuelle Gesundheitsverhalten haben, an dem die Verhaltensprävention ansetzt.

Die Poliklinik in Hamburg-Veddel hat ein Video produziert, das anschaulich darstellt, was Verhältnisprävention bedeutet.

Was ist das West-Nil-Virus?

Das West-Nil-Virus ist unter anderem eng verwandt mit dem Gelbfiebervirus, dem Dengue-Virus oder dem Frühsommermeningoenzephalitis-Virus (FSME). Es wird zumeist durch Stechmücken oder Zecken übertragen. Vögel legen zuvor weite Stecken mit dem Virus zurück. Sie sind sogenannte Amplifikationswirte, die das Virus verbreiten.

Infektionen verlaufen in den meisten Fällen symptomlos. Bei etwa einem Viertel der Fälle verläuft die Infektion symptomatisch. In seltenen Fällen, insbesondere bei Vorerkrankungen, kommt es zu schweren Fieberverläufen bis hin zu (gutartigen) Hirnhautentzündungen. In ganz schweren Fällen kommt es zu Hirnhautentzündungen mit bleibenden Schäden.

Bis vor wenigen Jahren wurde das Virus in Deutschland vor allem nach Reisen nachgewiesen. Mittlerweile wird das West-Nil-Virus auch durch Stechmücken übertragen. Das Virus scheint in der Lage zu sein in Deutschland zu überwintern. Mit dem Beginn des Herbstes und dem damit einhergehenden kühleren Wetter, verringert sich jedoch das Infektionsrisiko für den Menschen. Durch den Klimawandel, insbesondere durch überdurchschnittlich warme und lange Sommer, ist allerdings zu erwarten, dass sich die Zeitspanne für Infektionen zukünftig vergrößern wird.

Was besagt eine Ökobilanz?

Die Ökobilanz bewertet die Nachhaltigkeit von Produkten und Produktionsweisen, Dienstleistungen und Verhaltensweisen. Die Bewertung erfolgt nach strengen Vorgaben, um ökologische Standards bei Unternehmen zu gewährleisten. Dabei fließen Faktoren aus dem gesamten Produktzyklus mit ein, beispielsweise Materialverbrauch der Produktion, potenzielle Umweltschäden, der Energieverbrauch beim Transport und die Entsorgung.

Quellen:

  • https://www.umweltbundesamt.de/themen/wirtschaft-konsum/produkte/oekobilanz [18.06.2021]
  • https://www.footprintnetwork.org/resources/glossary/ [18.06.2021]

Was besagt der ökologische Fußabdruck?

Der ökologische Fußabdruck ist ein Indikator für Nachhaltigkeit. Er gibt an, wie viel Land- und Wasserfläche notwendig sind, um den Verbrauch von Ressourcen und den Abbau von Schadstoffen auszugleichen, die eine Person, eine Population oder eine bestimmte Aktivität benötigen. Er wird in Hektar angegeben.

Häufig bezieht sich der ökologische Fußabdruck auf den Konsum einer Population: Welche Fläche braucht es, um das zu produzieren, was sie verbraucht? Und wie viel Fläche, um den dabei entstandenen CO2-Ausstoß aufzunehmen? Auf https://data.footprintnetwork.org/#/ finden Sie aktuelle Daten und Karten des weltweiten ökologischen Fußabdrucks. Ein weiterer Messwert ist der CO2-Fußabdruck.

Quellen:

  • https://www.footprintnetwork.org/resources/glossary/#Ecologicalfootprint [18.06.2021]
  • https://www.myclimate.org/de/informieren/faq/faq-detail/was-ist-ein-oekologischer-fussabdruck/ [18.06.2021]

Lassen Sie uns gemeinsam den gesundheitlichen Auswir­kungen von Ungleichheit auf den Grund gehen.