Wenn es nach meiner Nase geht, wird die Stadt zubetoniert
Es ist Heuschnupfen-Saison. Vor allem in Städten könnte gezielte Bepflanzung das Leben mit Allergie leichter machen.
Takeaways
Darum geht es in dieser Ausgabe
- Thema: Städte müssen grün sein – aber anders als bisher
- Grafik des Monats: Das sind die Stadtbäume der Zukunft
- Medientipps: Diesmal mit illegalen Sterilisationen, immer kürzerer Rentenzeit und einem Finanzcheck.
Mein “Hallo!” kannst du dir gekrächzt vorstellen: Nase zu, Hals kratzig, dazu tränen die Augen.
Es ist Heuschnupfen-Saison – und obwohl ich froh bin, in einer recht grünen Stadt zu wohnen, erwische ich mich bei bösen Blicken auf alles, was blüht: War da schon immer eine Haselnuss? Warum stehen hier so viele Birken? Diese Wiese könnte ein Parkplatz sein!
Auch wenn das Quatsch ist: Stadtbepflanzung sollte Allergien berücksichtigen. Das denke nicht nur ich, das empfiehlt auch ein aktuelles Paper. Was wirklich besser ist als Haselnuss, Birke und Parkplatz, erfährst du in dieser Ausgabe.
Viel Spaß beim Niesen Lesen
Maren
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Thema
Städte müssen grün sein – aber anders als bisher
Die Klimaerwärmung bedeutet für Menschen in Städten besondere Belastung: Dort steigen die Temperaturen besonders stark, Hitze und Trockenheit setzen Menschen und Natur zu. Mehr Grün zwischen Beton und Glas soll dem entgegenwirken – und hätte laut Schätzung einer Langzeitstudie von 2000 und 2019 mehr als eine Million Todesfälle durch Hitze weltweit verhindern können.
Welche Stadtbäume in Deutschland künftig für Grün sorgen können, erforschen die Gartenamtsleiterkonferenz (GALK) beim Deutschen Städtetag und der Bund deutscher Baumschulen (BdB) nach eigenen Angaben seit den 1990er-Jahren. 2020 haben sie eine Liste von 65 Arten vorgelegt, die für unterschiedliche Orte geeignet sind und dem veränderten Klima standhalten.
Empfehlung: Allergien bei Stadtgrün berücksichtigen
Doch während das Grün grünt, steigt mit den Temperaturen auch die Pollenbelastung – in Städten noch verstärkt durch Luftverschmutzung. Neben Gräsern, Birke, Esche und Haselnuss, die Allergiker*innen ohnehin zu schaffen machen, verbreiten sich unbeabsichtigt neue Arten wie die Ambrosia, deren hoch allergener Pollen zu noch mehr Niesen und Husten führen.
Stadtbepflanzung sollte deshalb auch Allergien berücksichtigen, empfiehlt ein Team von Forscher*innen, das 2025 eine Liste allergiefreundlicher Stadtbäume veröffentlicht hat. So sei etwa die Birke ein beliebter Stadtbaum in Deutschland, allerdings auch einer mit hohem Allergie-Potenzial. Gezieltes Pflanzen könnte dafür sorgen, dass Allergiker*innen weniger unter Pollen leiden, oder immerhin nicht noch stärker als bisher.
Das hat auch der Arbeitskreis Stadtbäume der GALK im Blick. Er sagt aber auch: “[...] dass allein durch den Verzicht von Baumarten eine vollkommene Pollenfreiheit in der Umgebung nicht zu erreichen ist.” Weil die Auswahl der Arten durch den Klimawandel ohnehin begrenzt sei, sehe man eine weitere Einschränkung kritisch.
Grafik des Monats
Das sind die Stadtbäume der Zukunft
Auf Grundlage der Sensibilisierungsrate – dem Anteil der Bevölkerung, bei dem ein Allergietest positiv ausfällt – haben die Forscher*innen eine Liste von Bäumen erstellt, die für Städte aus allergologischer Sicht geeignet sind:
- Bei einer geringeren Sensibilisierungsrate können die Bäume neu gepflanzt werden.
- Sind fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung sensibilisiert, ist das Allergiepotenzial moderat, aber signifikant. Die Pflanze sollte, wenn möglich, nicht neu gepflanzt werden.
- Reagiert gut jede*r Sechste auf eine Pollenart, hat die Pflanze ein hohes Allergiepotenzial. Sie sollte nicht gepflanzt werden.
Das Thema ist komplexer als “Weg mit all den Birken!” (abgeholzt werden sollte den Forschenden zufolge ohnehin nicht), denn es liegen längst nicht für alle Bäume und Sträucher ausreichend Daten vor. Zum Teil gebe es große regionale Unterschiede bei der Sensibilisierungsrate oder den Daten dazu. Bei Gräsern sei die Lage noch schwieriger.
Je nach Stadt, Klimabedingungen und Standortfaktoren müsste die Liste immer wieder überarbeitet werden – bestenfalls zusammen von Allergolog*innen, Umweltexpert*innen, Stadtplaner*innen und dem Public-Health-Sektor vor Ort.
Medientipps
Was du außerdem wissen solltest
Hauptsache, du kriegst kein Kind.
24.03.2026, andererseits, 40 Minuten
Viele Menschen mit Behinderung werden in Deutschland und Österreich immer noch sterilisiert – manchmal auch, ohne dass sie das wollen, obwohl das nur in Ausnahmefällen erlaubt ist. Auch die sogenannte Drei-Monats-Spritze wird Menschen mit Behinderung deutlich häufiger verschrieben als nicht behinderten Personen, Nebenwirkungen werden offenbar in Kauf genommen. Luise Jäger, Ramona Arzberger und ihr Team von andererseits haben neue Statistiken aufgedeckt und mit Betroffenen gesprochen.
Die Lebenserwartung steigt, aber das Rentenalter noch schneller
02.04.2026, dpa/DER SPIEGEL, 4 Minuten
Das Alter, um ohne Abschläge in Rente gehen zu können, ist in den vergangenen Jahren erhöht worden. Eine Begründung: Die Menschen werden immer älter. Mittlerweile hat jedoch das Rentenalter die Lebenserwartung überholt, zeigt eine aktuelle Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linken. Wer in Rente geht, hat im Schnitt immer weniger Lebensjahre vor sich. Auch regionale und soziale Faktoren verkürzen die Rentenzeit.
Das steckt hinter dem Kostenschock der Krankenkassen
25.03.2026, Benjamin Bidder, Matthias Kaufmann, Martin U. Müller/DER SPIEGEL, 20 Minuten
Gesetzlich Krankenversicherte zahlen immer höhere Beiträge, trotzdem wird die Versorgung nicht nur gefühlt immer schlechter – das Geld reicht nicht aus, um das Gesundheitssystem zu finanzieren. Dieser Artikel gibt einen Überblick, warum und was mögliche Lösungen wären. Spoiler: Vor allem bessere Prävention könnte helfen.
Weniger Honorar für Psychotherapeut*innen – das wird am Ende teurer
07.04.2026, Martin U. Müller/DER SPIEGEL, 5 Minuten
Um Geld zu sparen, haben die gesetzlichen Krankenkassen beschlossen, das Honorar für ambulante Psychotherapeut*innen um 4,5 Prozent zu kürzen. Für die Therapeut*innen bedeutet das am Ende des Monats weniger Geld, für Patient*innen die Gefahr, dass privat Versicherte vorgezogen werden. Ob die Kosten eingespart werden, ist fraglich – oder nur verschoben, in stationäre Therapien, Arbeitsausfall, Krankengeld, Reha oder Rente.
Moneymaxxing auf Rezept
20.03.2026, ZDF Magazin Royale, 30 Minuten
Viele Patient*innen haben schon mal Termine bei Ärzt*innen über die Plattform Doctolib gebucht. Was komfortabel scheint – schließlich muss man hier nicht in der Praxis oder am Telefon warten – ist am Ende vor allem ein komfortabler Weg an Gesundheitsdaten.
Community
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Transparenz
Rund um medizinische Themen sind Transparenz und Vertrauen wichtig. Darum haben wir in dieser Ausgabe alle Quellen direkt im Text verlinkt. Auf der Website findest du unser journalistisches Selbstverständnis festgehalten.
Quellen
- Bergmann, KC., Straff, W., Mücke, HG. et al. Recommendations for allergy-friendly urban planting in the context of climate change. Allergo J Int 34, 95–103 (2025). https://doi.org/10.1007/s40629-025-00332-0
- Titelfoto: Pascal Meier via Unsplash.