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Wer jetzt falsch baut, zementiert Ungerechtigkeit

sagt Susanne Möbus

Bild: Jochen Track

Gesundheit entsteht nicht im Krankenhaus, sondern auf der Straße. Dort, wo Kinder unbeschwert spielen, Menschen sicher zu Fuß gehen und Rad fahren können – oder eben nicht. Unsere gebaute Umwelt ist zum Gesundheitsrisiko geworden, weil wir sie jahrzehntelang um Autos herum geplant haben.

Das 500-Milliarden-Sondervermögen für die Transformation bietet eine historische Chance. Doch sie kann schnell vertan sein. Wenn Geld wieder in Asphalt für Autostraßen fließt, zementieren wir nicht nur Beton, sondern Ungleichheit – für Generationen. Denn Infrastruktur bleibt: Was heute falsch gebaut wird, prägt das Leben von morgen. Und was fehlt – Bäume, sichere Wege, öffentlicher Raum – lässt sich nicht einfach nachholen.

Gesundheitliche Fairness entscheidet sich auch darin, wem Raum zugestanden wird – und wem nicht. Sozial benachteiligte Bevölkerungsgruppen sind bereits heute mehrfach belastet: Sie leben an stark befahrenen Straßen mit wenig Grün, atmen die schlechteste Luft, ertragen den meisten Lärm – und haben zugleich die geringsten Ressourcen, dem zu entkommen. Die Folgen: erhöhte Risiken für chronische Leiden, Infektionen, psychische Belastungen. Wer Straßen neu denkt – als Orte, die Bewegung ermöglichen, Begegnung fördern und Gesundheit stärken – schafft zugleich wirksamen Klimaschutz, erhöht Lebensqualität und Chancengleichheit.

2025 wird zeigen, ob wir endlich einsehen: Eine klimagerechte Mobilitätswende ist ein wesentlicher Treiber für faire Gesundheit. Erst sichere Fuß- und Radwege, bezahlbarer Nahverkehr und lebenswerte Straßen für alle machen faire Gesundheit zur gebauten Realität. Wer weiter auf Autoinfrastruktur setzt, investiert in Ungleichheit – und legt den Grundstein für die Krankheiten der nächsten Generation.

Faire Gesundheit entsteht, wenn öffentliche Räume gesundheitsfördernd gestaltet sind – und Mobilität kein Privileg ist.

Wir haben kluge und engagierte Köpfe aus Politik, Medien, Forschung und Praxis gefragt, welche Entwicklungen sie im kommenden Jahr für faire Gesundheit erwarten. Hier sind ihre Vorhersagen für 2026:

Alle Vorhersagen

Raus aus dem Reparaturbetrieb: Heranwachsende im Blick

Marion Amler

Sozialleistungen entscheiden über einen gerechten Zugang zu gesundem Essen

Marike Andreas

Weil Gesundheit auch Haltung bedeuten muss

Samson Grzybek

Die Axt am Solidarprinzip der gesetzlichen Krankenversicherung

Ates Gürpinar

Privilegien werden offener diskutiert

Solveig Lena Hansen

Wer arm ist, arbeitet länger – und riskiert dabei oft seine Gesundheit

Hans Martin Hasselhorn

Gerechte Gesundheit entsteht nur durch communitybasierte Koproduktion

Lisa Kamphaus

Wer jetzt falsch baut, zementiert Ungerechtigkeit

Susanne Möbus

Gaza wird im Schatten des “Friedens” physiologisch ausgelöscht

Anonyme Person

Make Gesundheits­förderung Great Again

Friedrich Schorb

Mutterschutz nach Fehlgeburten: verbesserter Schutz mit Lücken

Madeleine Sittner

Demokratie schützen für mehr gesundheitliche Gerechtigkeit

Dagmar Starke

Respekt ist Voraussetzung für faire Gesundheit

Bettina Enzenhofer, Lucia Mair und Brigitte Theißl

Deutschland kann nur durch Empathie heilen

Mertcan Usluer

Geschlechtliche und sexuelle Selbstbestimmung werden gefestigt

Heinz-Jürgen Voß