Wer jetzt falsch baut, zementiert Ungerechtigkeit
sagt Susanne Möbus
Gesundheit entsteht nicht im Krankenhaus, sondern auf der Straße. Dort, wo Kinder unbeschwert spielen, Menschen sicher zu Fuß gehen und Rad fahren können – oder eben nicht. Unsere gebaute Umwelt ist zum Gesundheitsrisiko geworden, weil wir sie jahrzehntelang um Autos herum geplant haben.
Das 500-Milliarden-Sondervermögen für die Transformation bietet eine historische Chance. Doch sie kann schnell vertan sein. Wenn Geld wieder in Asphalt für Autostraßen fließt, zementieren wir nicht nur Beton, sondern Ungleichheit – für Generationen. Denn Infrastruktur bleibt: Was heute falsch gebaut wird, prägt das Leben von morgen. Und was fehlt – Bäume, sichere Wege, öffentlicher Raum – lässt sich nicht einfach nachholen.
Gesundheitliche Fairness entscheidet sich auch darin, wem Raum zugestanden wird – und wem nicht. Sozial benachteiligte Bevölkerungsgruppen sind bereits heute mehrfach belastet: Sie leben an stark befahrenen Straßen mit wenig Grün, atmen die schlechteste Luft, ertragen den meisten Lärm – und haben zugleich die geringsten Ressourcen, dem zu entkommen. Die Folgen: erhöhte Risiken für chronische Leiden, Infektionen, psychische Belastungen. Wer Straßen neu denkt – als Orte, die Bewegung ermöglichen, Begegnung fördern und Gesundheit stärken – schafft zugleich wirksamen Klimaschutz, erhöht Lebensqualität und Chancengleichheit.
2025 wird zeigen, ob wir endlich einsehen: Eine klimagerechte Mobilitätswende ist ein wesentlicher Treiber für faire Gesundheit. Erst sichere Fuß- und Radwege, bezahlbarer Nahverkehr und lebenswerte Straßen für alle machen faire Gesundheit zur gebauten Realität. Wer weiter auf Autoinfrastruktur setzt, investiert in Ungleichheit – und legt den Grundstein für die Krankheiten der nächsten Generation.
Faire Gesundheit entsteht, wenn öffentliche Räume gesundheitsfördernd gestaltet sind – und Mobilität kein Privileg ist.