Weil Gesundheit auch Haltung bedeuten muss
sagt Samson Grzybek
Die Gesundheitsbewegung wird nicht nur von ihren Strukturen gehalten und in Bahnen gelenkt. Sie ist auch abhängig von jeder*m einzelnen Ärzt*in und Therapeut*in. Der Umgang mit Patient*innen verlangt nicht nur fachliche Kompetenzen, sondern auch notwendige Ressourcen zu einer bestmöglichen Versorgung von Patient*innen. Denn neue bürokratische Erleichterungen und Apps können zwar potentiell mehr Patient*innen unterstützen. Aber solange Menschen als Schnittstellen zwischen den Zugängen und den Patient*innen stehen, wird Diskriminierung weiterhin freien Lauf haben. Und dafür sorgen, dass Patient*innen weiterhin im Stich gelassen werden.
Meine Prognose: Die Fähigkeit, Patient*innen diskriminierungssensible, empathisch und menschlich zu begegnen, wird zum entscheidenden Faktor für gesundheitliche Gerechtigkeit.
Ungleichheiten entstehen nicht nur durch fehlende Ressourcen, sondern auch fehlende Haltung.
Wie wollen Ärzt*innen und Therapeut*innen ihren Beruf, ihre Berufung verantwortungsvoll ausüben? Praktizierende in der Gesundheitsversorgung haben sich dafür entschieden, für und mit Menschen zu arbeiten. Denn Gesundheitsversorgung verlangt von Praktizierenden auch letzten Endes selbst Menschsein. Es sind diejenigen, die ihre Praxistüren für alle Menschen öffnen, die sich weiterbilden, die ihr Unwissen und ihren Umgang reflektieren und nachbessern möchten. Wer Patient*innen ernst nimmt, zuhört, Fragen aushält und die eigene Macht reflektiert: Das wird in den nächsten zwölf Monaten den größten Einfluss auf eine bessere Gesundheitsversorgung haben.