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Deutschland kann nur durch Empathie heilen

sagt Mertcan Usluer

Bild: Sascha Swiercz

Deutschland ist krank. Nicht an Grippe, Bewegungsmangel oder zu viel Zucker, sondern an struktureller Empathielosigkeit. An Armut, an Rassismus, an Sexismus, an Ableismus. An einem Gesundheitssystem, das weder die Symptome unserer Gesellschaft behandelt, noch ihre Ursachen.

Wir können Ungleichheit nicht weg operieren. Keine App kann soziale Kälte heilen und keine KI die Gerechtigkeitslücke schließen. Und kein Pflaster hilft gegen ein System, das Menschen nach Herkunft, Einkommen oder Geschlecht unterschiedlich behandelt.

Marginalisierung macht statistisch belegt krank. Und sie trifft dieselben Körper immer wieder: die weiblichen, die queeren, die migrantischen, die armen. Das ist keine Nebensache der Medizin – es ist ihre größte Diagnose.

Um zu heilen, um gesundheitliche Gerechtigkeit zu erreichen, brauchen wir Empathie. Empathie heißt: strukturelle Ursachen sehen, bevor man Medikamente verschreibt. Es heißt, Machtkritik in die Anamnese zu schreiben. Es heißt, sich zu weigern, Ungleichheit zu normalisieren.

Meine Prognose: 2026 wird das Jahr, in dem wir verstehen, dass Medizin politisch ist. Dass Heilung nicht im Behandlungszimmer beginnt, sondern in gerechter Bildung, fairer Bezahlung und sicherem Wohnen.

Empathie ist kein Gefühl, sie ist Systemkompetenz. Und wenn wir sie ernst nehmen, heilt sie vielleicht nicht jede einzelne Krankheit – aber sie heilt das, was wir am meisten verloren haben: unsere Solidarität.

Wir haben kluge und engagierte Köpfe aus Politik, Medien, Forschung und Praxis gefragt, welche Entwicklungen sie im kommenden Jahr für faire Gesundheit erwarten. Hier sind ihre Vorhersagen für 2026:

Alle Vorhersagen

Raus aus dem Reparaturbetrieb: Heranwachsende im Blick

Marion Amler

Sozialleistungen entscheiden über einen gerechten Zugang zu gesundem Essen

Marike Andreas

Weil Gesundheit auch Haltung bedeuten muss

Samson Grzybek

Die Axt am Solidarprinzip der gesetzlichen Krankenversicherung

Ates Gürpinar

Privilegien werden offener diskutiert

Solveig Lena Hansen

Wer arm ist, arbeitet länger – und riskiert dabei oft seine Gesundheit

Hans Martin Hasselhorn

Gerechte Gesundheit entsteht nur durch communitybasierte Koproduktion

Lisa Kamphaus

Wer jetzt falsch baut, zementiert Ungerechtigkeit

Susanne Möbus

Gaza wird im Schatten des “Friedens” physiologisch ausgelöscht

Anonyme Person

Make Gesundheits­förderung Great Again

Friedrich Schorb

Mutterschutz nach Fehlgeburten: verbesserter Schutz mit Lücken

Madeleine Sittner

Demokratie schützen für mehr gesundheitliche Gerechtigkeit

Dagmar Starke

Respekt ist Voraussetzung für faire Gesundheit

Bettina Enzenhofer, Lucia Mair und Brigitte Theißl

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Mertcan Usluer

Geschlechtliche und sexuelle Selbstbestimmung werden gefestigt

Heinz-Jürgen Voß