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Raus aus dem Reparaturbetrieb: Heranwachsende im Blick

sagt Marion Amler

Bild: Clara Niesing

Der kürzlich veröffentlichte World report on social determinants of health equity der WHO ist eindeutig: Gesundheit entsteht nicht im Wartezimmer einer Arztpraxis, sondern in Wohnungen, Kitas, Betrieben und Sozialämtern. Bildung, Einkommen, Wohnsituation und Erwerbsarbeit erklären mehr gesundheitliche Ungleichheit als jede genetische Disposition. Das größte Gesundheitsrisiko ist und bleibt: Armut. 

Doch während der Bericht präzise beschreibt, wie soziale Investitionen Leben verlängern und Kosten sparen, zementiert der aktuelle finanzpolitische Kurs das Gegenteil. Der jüngste bundespolitische Haushalt setzt weiter auf Kriegstüchtigkeit und Kostendämpfung im System, nicht auf Umverteilung zugunsten der sozialen Ursachen von Krankheit. Prävention bleibt projektförmig, strukturelle Armutsbekämpfung unterfinanziert.

Auch die überarbeitete Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung betont zwar die sozialen Dimensionen von Gesundheit – doch zwischen Wunsch und Realität klafft eine Lücke, die sich durch aktuelle Krisen eher vergrößert. Solange Ressortgrenzen wichtiger sind als Gesundheitsfolgenabschätzung und jede Investition in Gesundheit zuerst als Ausgabe gilt, bleibt die soziale Wende in der Gesundheitspolitik eine rein rhetorische Übung. Apropos Ausgaben: Gerade einmal knapp fünf Prozent der gesamten Gesundheitsausgaben entfallen in Deutschland auf Prävention

Mein Wunsch: Ein mutiger, positiver Blick in die Zukunft – einer, der weiter reicht als vier Jahre bis zur nächsten Wahl. Jede politische Entscheidung verbindlich daraufhin prüfen, welche Gesundheits- und Klimafolgen sie hat und wie sie Kinder und Jugendliche mitdenkt. Im besten Fall gemeinsam mit ihnen! Und das Gesundheitssystem neu denken: nicht als Reparaturbetrieb, sondern als ein System, welches auf das gemeinschaftliche Wohlergehen und die Verbesserung von Lebenschancen abzielt. 

Wir haben kluge und engagierte Köpfe aus Politik, Medien, Forschung und Praxis gefragt, welche Entwicklungen sie im kommenden Jahr für faire Gesundheit erwarten. Hier sind ihre Vorhersagen für 2026:

Alle Vorhersagen

Raus aus dem Reparaturbetrieb: Heranwachsende im Blick

Marion Amler

Sozialleistungen entscheiden über einen gerechten Zugang zu gesundem Essen

Marike Andreas

Weil Gesundheit auch Haltung bedeuten muss

Samson Grzybek

Die Axt am Solidarprinzip der gesetzlichen Krankenversicherung

Ates Gürpinar

Privilegien werden offener diskutiert

Solveig Lena Hansen

Wer arm ist, arbeitet länger – und riskiert dabei oft seine Gesundheit

Hans Martin Hasselhorn

Gerechte Gesundheit entsteht nur durch communitybasierte Koproduktion

Lisa Kamphaus

Wer jetzt falsch baut, zementiert Ungerechtigkeit

Susanne Möbus

Gaza wird im Schatten des “Friedens” physiologisch ausgelöscht

Anonyme Person

Make Gesundheits­förderung Great Again

Friedrich Schorb

Mutterschutz nach Fehlgeburten: verbesserter Schutz mit Lücken

Madeleine Sittner

Demokratie schützen für mehr gesundheitliche Gerechtigkeit

Dagmar Starke

Respekt ist Voraussetzung für faire Gesundheit

Bettina Enzenhofer, Lucia Mair und Brigitte Theißl

Deutschland kann nur durch Empathie heilen

Mertcan Usluer

Geschlechtliche und sexuelle Selbstbestimmung werden gefestigt

Heinz-Jürgen Voß