Gerechte Gesundheit entsteht nur durch communitybasierte Koproduktion
sagt Lisa Kamphaus
Um faire oder gerechte Gesundheit zu erreichen, wird es in den kommenden Monaten nicht nur um eine bessere Verteilung einzelner Ressourcen gehen, sondern um eine Neuordnung der Machtverhältnisse, die bestimmen, wer an Gesundheitsgestaltung überhaupt beteiligt ist. Gesundheitsgerechtigkeit bedeutet – im Sinne Nancy Frasers – nicht nur gleiche Chancen, sondern die Möglichkeit aller, als Gleiche an Entscheidungen mitzuwirken, die ihre Lebensbedingungen formen.
Klassische Strategien der gesundheitlichen Chancengleichheit und Beteiligung stoßen hier an ihre Grenzen: bestehende Maßnahmen erreichen vor allem jene, die ohnehin über Zeit, Wissen und Handlungsspielräume verfügen - verfehlen aber gerade jene Menschen, die strukturell am stärksten belastet sind. Zudem wird dies verstärkt durch die Stigmatisierung von armutsbetroffenen, migrationsgeprägten oder marginalisierten Communities als „schwer erreichbar“ wodurch sie selbst verantwortlich für ihre gesundheitlichen Problemlagen gemacht werden. Ungleichheit wird so verstärkt.
Gesundheits(un)gerechtigkeiten sind aber Ausdruck politischer und räumlicher Machtverhältnisse - und damit auch kollektiv veränderbar. Die kommunale Ebene wird zum zentralen Ort, an dem diese Strukturen ausgehandelt werden: Dort, wo soziale Determinanten von Gesundheit alltäglich erfahrbar sind und unterschiedliche Akteure und Personen kleinräumig zusammenkommen, können neue Möglichkeiten kollektiver Selbstorganisierung, Koproduktion und communitybasierter Gesundheitsgestaltung entstehen.
Projekte wie „Gesundheit in der nachhaltigen Stadt Münster“ und die daraus entstandenen und beschlossenen Leitlinien für eine „Gesunde Stadt Münster“ zeigen: Gesundheitsgerechtigkeit wird in Kommunen nur dann erreichbar, wenn die Zusammenarbeit zwischen Kommunen und Communities neu ausgehandelt wird – weg von verwaltender Prävention, hin zu koproduktiven Strukturen, in denen betroffene Communities und zivilgesellschaftlich Akteure gleichberechtigt eingebunden sind, selbst Wissen produzieren und dadurch gesundheitliche Verhältnisse aktiv verändern.