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Geschlechtliche und sexuelle Selbstbestimmung werden gefestigt

sagt Heinz-Jürgen Voß

Mit dem Selbstbestimmungsgesetz, das bereits mehr als 20.000 Menschen in Anspruch genommen haben, gilt heute: Die Selbstbestimmung des Individuums ist im Zentrum, grenzverletzende Umgangsweisen werden als unzulässig ausgewiesen. Begleitet wird das Gesetz im medizinischen Bereich von Leitlinien, die im Hinblick auf trans*- sowie intergeschlechtliche Menschen die Selbstbestimmung der Person ernster nehmen und darauf abzielen, deren Integrität zu schützen.

Was durch das Selbstbestimmungsgesetz für das Geschlechtliche offenkundig ist, zeichnet sich auch für die sexuelle Selbstbestimmung ab. Seit dem Jahr 2010 sind Entwicklungen in Gang gekommen, die Grenzverletzungen und sexualisierte Gewalt als gesellschaftlich inakzeptabel einordnen und die sexuelle Selbstbestimmung des Menschen betonen. „Nein heißt Nein“, und immer deutlicher wird, nur ein „Ja heißt Ja“.

Die Integrität des Individuums zu achten und dessen Selbstbestimmung zu fördern, auch wenn es um Körper, Geschlecht und Sexualität geht, trägt den Artikeln 1 bis 3 des Grundgesetzes Rechnung. Nicht umsonst steht in der deutschen Verfassung das Individuum an erster Stelle, vor den staatlichen Instanzen. Damit trägt das Grundgesetz den Erfahrungen der Nazi-Zeit Rechnung, wo individuelle Rechte ausgehöhlt und die staatliche und strukturelle Gewalt zentral gesetzt wurden. Damals wurden „Volk“ und „Nation“ über die Integrität des Individuums gestellt, mit den bekannten Folgen.

Dass man dennoch diese Prognose bringen muss, dass die geschlechtliche und sexuelle Integrität und Selbstbestimmung des Individuums gefestigt werden, liegt an dem Rechtsruck, der u.a. die USA bereits erfasst hat. Auch hierzulande führt die rechtsextreme AfD die staatlichen und insbesondere die parlamentarischen Instanzen regelrecht vor. Die demokratischen Parteien – allen voran die CDU – übernehmen die von rechts soufflierten Plattitüden, die von einer liberalen, demokratischen Gesellschaft wegweisen. Themen der geschlechtlichen und sexuellen Integrität und Selbstbestimmung werden dabei immer wieder angeführt, allein um von anderen Themen abzulenken, etwa Problemen der wirtschaftlichen Entwicklung.

Entsprechend steht heute jede prognostizierte Entwicklung unter dem Vorbehalt, dass demokratische Politiker*innen eine grundgesetzbasierte Haltung bewahren und zeigen.

Wir haben kluge und engagierte Köpfe aus Politik, Medien, Forschung und Praxis gefragt, welche Entwicklungen sie im kommenden Jahr für faire Gesundheit erwarten. Hier sind ihre Vorhersagen für 2026:

Alle Vorhersagen

Raus aus dem Reparaturbetrieb: Heranwachsende im Blick

Marion Amler

Sozialleistungen entscheiden über einen gerechten Zugang zu gesundem Essen

Marike Andreas

Weil Gesundheit auch Haltung bedeuten muss

Samson Grzybek

Die Axt am Solidarprinzip der gesetzlichen Krankenversicherung

Ates Gürpinar

Privilegien werden offener diskutiert

Solveig Lena Hansen

Wer arm ist, arbeitet länger – und riskiert dabei oft seine Gesundheit

Hans Martin Hasselhorn

Gerechte Gesundheit entsteht nur durch communitybasierte Koproduktion

Lisa Kamphaus

Wer jetzt falsch baut, zementiert Ungerechtigkeit

Susanne Möbus

Gaza wird im Schatten des “Friedens” physiologisch ausgelöscht

Anonyme Person

Make Gesundheits­förderung Great Again

Friedrich Schorb

Mutterschutz nach Fehlgeburten: verbesserter Schutz mit Lücken

Madeleine Sittner

Demokratie schützen für mehr gesundheitliche Gerechtigkeit

Dagmar Starke

Respekt ist Voraussetzung für faire Gesundheit

Bettina Enzenhofer, Lucia Mair und Brigitte Theißl

Deutschland kann nur durch Empathie heilen

Mertcan Usluer

Geschlechtliche und sexuelle Selbstbestimmung werden gefestigt

Heinz-Jürgen Voß