Respekt ist Voraussetzung für faire Gesundheit
Historisch orientierte sich die Medizin an einem einzigen Körper: cis-männlich, weiß, ohne Behinderungen. Diesem Standard folgen Wissenschaft und Praxis bis heute. Frauen, Menschen mit Behinderungen, armutsbetroffene oder rassifizierte Menschen und LGBTIQ-Personen bleiben unterrepräsentiert und unterversorgt – mit dem Ergebnis einer schlechteren Gesundheit. Diese strukturelle Diskriminierung in der Medizin spiegelt gesellschaftliche Ungleichheiten wider. Und sie wirkt negativ auf die Gesundheit vieler Menschen.
Gesundheitliche Benachteiligung entsteht aber auch durch individuelle Handlungen, z.B. in der Arztpraxis: Wer von Ärzt*innen und Pflegepersonal abgewertet und diskriminiert wird, meidet die Versorgung. Rassismus, Klassismus, Sexismus, Homo- und Transfeindlichkeit, Ableismus, sprachliche und räumliche Barrieren oder unpassende Kommentare zum Körper machen krank.
Alle Menschen haben das Recht auf ein Leben in guter Gesundheit. Die Medizin muss sich deshalb dringend an der realen Diversität unserer Gesellschaft ausrichten. Gerechte Gesundheit braucht Chancengerechtigkeit auf allen Ebenen. Sie braucht Strukturreformen und Armutsbekämpfung. Doch das braucht Zeit.
In den nächsten 12 Monaten ist es deshalb entscheidend, dort anzusetzen, wo wir sofort etwas zum Positiven verändern können: Die Würde aller Menschen in den Mittelpunkt medizinischen Handelns zu stellen – und Menschen mit Respekt zu behandeln.
Zuhören, Erfahrungen anerkennen, Patient*innen auf Augenhöhe begegnen, Unwissen zugeben: Respekt schafft Vertrauen und ermöglicht offene Gespräche. Er führt zu korrekten Diagnosen und einer besseren Behandlung.
Faire Versorgung beginnt in der Arztpraxis. Eine respektvolle Haltung ist die Basis im Einsatz für eine gerechtere Welt. Und sie ist gerade in Zeiten gesellschaftlicher Abwertung von Menschen unabdingbar.